Ausgefeiltes QoS mittels Tomato-Firmware auf Linksys' WRT54G
Rubriken: Linux everywhere, Linux auf Routern
Schlagworte: firmware, linux, qos, tomato, wrt54g
Der Linksys WRT54G (bzw. WRT54GL oder WRT54GS) gehört bis heute zu den beliebtesten Home-Routern und ist - in seinen verschiedenen Hardwarerevisionen - seit 2002 auf dem Markt. Bereits out-of-the-box läuft der WRT54G sehr stabil und schnell. Legt man allerdings Wert darauf, ein starkes WLAN-Netz oder ein ein ausgewachsenes QoS (Quality of Service) zu betreiben, lohnt sich ein Blick auf die alternativen Linux-Firmware-Projekte, die dem Router zusätzliche Funktionen verleihen. Neben OpenWrt, FreeWRT und DD-WRT gibt es auch ein Projekt namens Tomato. Letztendlich hat jedes dieser Projekte seine eigenen Vorzüge: OpenWrt besitzt ein ausgefeiltes Paketmanagement und ist dadurch sehr universell ausgelegt; FreeWRT entstand aus einem OpenWrt-Fork, nachdem ein Teil der Entwickler eine etwas professionellere Zielgruppe ansprechen wollte und wird aus einem "appliance development kit" (ADK) gebaut und DD-WRT ist schlichtweg das in der Standardkonfiguration featurereichste Projekt (und fast schon der "Featureritis" unterlegen). Bei Tomato schließlich sind es die detailreichen Einstellmöglichkeiten des QoS und der Zugriffsbeschränkungen zum Netz als auch die grafischen Trafficstatistiken, die hervorstechen.
Um Tomato nutzen zu können, benötigen Sie einen WRT54G(S) v1-v4 oder einen WRT54GL (der baugleich mit einem WRT54G v4 ist) oder bestimmte andere Router von Asus, Buffalo, Sparklan und Microsoft. Die folgende Anleitung geht von einem WRT54G v4 / WRT54GL aus. Die Vorgehensweise bei anderen Modellen kann abweichen! Informieren Sie sich über die aktuell unterstützten Modelle unter http://www.polarcloud.com/tomato.
Fortsetzung:
Nehmen Sie sich einige Stunden Zeit, wenn Sie den WRT54G flashen wollen. Es kann zwar sein, dass Sie schon nach kurzer Zeit ihren Router in Ihrer Wunschkonfiguration haben, unter Zeitdruck jedoch ist insbesondere vom Flashen des Routers abzuraten.
Um optimale Bedingungen zum Aufspielen der Firmware zu schaffen, ist es empfehlenswert, einen sogenannten 30/30/30-Reset durchzuführen. Dieser löscht die Konfiguration des Routers und setzt sie wieder in den Werkszustand. Gehen Sie wie folgt vor:
1. Stellen Sie sicher, dass das Gerät eingeschaltet ist. Drücken Sie die Reset-Taste mit einem spitzen und dünnen Gegenstand (etwa einem Kugelschreiber) und halten Sie die Taste für die ersten 30 Sekunden gedrückt.
2. Nach diesen 30 Sekunden ziehen Sie nun den Stromstecker des WRT54G. Drücken Sie durchgehend die Reset-Taste für weitere 30 Sekunden.
3. Schließen Sie nun den Router wieder an das Stromnetz an. Halten Sie die Reset-Taste für die letzten 30 Sekunden gedrückt. Jetzt können Sie die Reset-Taste los lassen. (Es ergibt sich also eine Zeit von 90 Sekunden, in der Sie die Reset-Taste ununterbrochen gedrückt halten.)
Warten Sie nun zwei Minuten, bis die Power-LED des WRT54G nicht mehr blinkt, sondern gleichbleibend leuchtet. Tritt dieser Zustand nach zwei Minuten nicht ein, trennen Sie den Router für weitere 10 Sekunden vom Netz und schließen ihn erneut an.
Laden Sie nun die aktuelle Tomato-Firmware herunter. Diese ist stets unter http://www.polarcloud.com/tomato zu finden. Entpacken Sie das Archiv mit 7-Zip.
Das eigentliche Upgrade auf Tomato von der Original-Firmware verläuft dann verblüffend einfach:
1. Öffnen Sie die Oberfläche der Linksys-Firmware in Ihrem Browser. Per default ist diese über http://192.168.1.1/ erreichbar.
2. Gehen sie zum Reiter "Administration" und von dort aus auf "Firmware Upgrade".
3. Wählen Sie die korrekte Firmware nach der Modellbezeichnung Ihres Routers aus und laden Sie diese zum Router hoch. Für den WRT54G wählen Sie die Datei "WRT54G_WRT54GL.bin" aus.
4. Warten Sie ca. zwei Minuten bis die Firmware hochgeladen und aktualisiert wurde.
(Obligatorisch: Ich übernehme keine Haftung für eventuelle Schäden an Ihrem Router. Benutzung erfolgt auf eigene Gefahr. Ihre Garantie erlischt ggf. durch diesen Vorgang.)
Ein Blick auf die Einstellungsmöglichkeiten des QoS zeigt zweifellos den Schwerpunkt auf dieses Feature, lässt den unerfahrenen Benutzer aber auch etwas erschaudern.
Doch für Tomato existiert ein gut geschriebenes, wenn auch leicht unübersichtliches Wikibook, das grundlegende Tipps zur Konfiguration gibt. Damit stellen sich recht schnell erste Erfolgserlebnisse ein. Bei Tipps, die sich auf bestimmte Bandbreitenzahlen beziehen, wie etwa "ca. 90% der realen (gemessenen) Geschwindigkeit" sollte man gemittelte Werte aus einem Speedtest ohne eingeschaltetem QoS eintragen. Führen Sie den Speedtest etwa 5mal aus.
Nehmen Sie nun die einzelnen Einstellungen zur Klassifikation der Pakete vor. (Orientieren Sie sich dabei an die Tipps des Wikibooks und an den untenstehenden Screenshot.)
Wie man sieht, bekommen DNS-Anfragen in dieser Beispielkonfiguration die höchste Priorität ("Highest"), sollten diese nicht eine für DNS-Anfragen untypische Paketgröße von 2KB überschreiten. Als nächstes bekommt aufkommender Traffic, der von der PlayStation 3 nach draußen gesendet wird, die zweithöchste Priorität ("High"). So treten selbst bei WipEout keine oder nur wenige Verzögerungen auf. (Dies ist auch abhängig von der Verbindung der anderen Spieler.) Dasselbe Verfahren wie bei DNS wird - nur mit anderen QoS-Klassen - auch für verschlüsselte als auch unverschlüsselte HTTP-Verbindungen angewandt. SSH, E-Mail- und Instant Messaging-Verkehr bekommen jeweils feste Klassen zugeordnet.
Der abschließende Vergleich der Speedtestergebnisse (auch hier den Mittelwert aus 5 Messungen) mit und ohne QoS gibt Aufschlüsse, ob ihr QoS sinnvoll eingestellt ist. Mit eingeschaltetem QoS kann sich das Ergebnis des Uploads ggf. leicht verschlechtern, sollte dafür aber konstanter sein, als ohne QoS. Im besten Fall erzielen Sie eine bessere Geschwindigkeit und bessere Konstanz. Bedenken Sie aber, dass dies nicht nur von ihrem QoS abhängig ist. Hier wirken zahlreiche Faktoren, wie z.B. die Auslastung ihres Internetproviders als auch wie viele Stationen zwischen ihrem Router und dem Betreiber des Speedtests liegen sowie die Anbindung an verschiedene Carrier, zusammen.
Die QoS-Graphen und -Details helfen Ihnen beim Überprüfen ihrer Klassifikationseinstellungen.
Herzlichen Glückwunsch! Sie haben so eben Ihren Linksys WRT54G auf Tomato umgestellt und ihr QoS nach ihren Wünschen eingestellt.





20.03.10 00:00:00,
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